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Birkenpollenallergie mit Äpfeln therapieren? Interreg-Projekt AppleCare soll Lösung bringen

Vor kurzem haben das Versuchszentrum Laimburg, die Abteilung Dermatologie des Krankenhauses Bozen, die Universität Innsbruck und die Medizinische Universität Innsbruck die Arbeiten an dem gemeinsamen Projekt AppleCare begonnen, das zeigen soll, ob eine Therapie der Birkenpollenallergie durch den Verzehr von Äpfeln möglich ist. Finanziert wird das Forschungsprojekt vom europäischen Programm Interreg V-A Italien-Österreich und hat ein Gesamtbudget von rund 800.000 €.

Zum Kick-Off-Meeting von AppleCare sind die Projektpartner am Versuchszentrum Laimburg zusammengekommen.

In diesen Tagen erreicht der Birkenpollenflug seinen jährlichen Höhepunkt. Durchschnittlich jeder Vierte leidet dann unter den Symptomen der Birkenpollenallergie, die von einem Jucken der Augen und der Nase über heftige Niesanfälle bis hin zu Asthma reichen. Das kürzlich gestartete interdisziplinäre und grenzüberschreitende Forschungsprojekt AppleCare soll dem Abhilfe schaffen und eine neuartige Immuntherapie gegen diese aggressivste und häufigste aller Pollenallergien entwickeln. Dazu wollen sich die Forscher die strukturelle Ähnlichkeit zwischen dem Birkenpollenprotein, welches die allergische Reaktion auslöst, und einem verwandten Eiweiß im Apfel zunutze machen. Im Projekt werden jene Apfelsorten und Apfelmengen ermittelt, die sich bei einer kontrollierten Aufnahme zur Behandlung der Pollenallergie eignen. Darüber hinaus wollen die Forscher auch sogenannte hypoallergene Apfelsorten identifizieren, also Apfelsorten, die ein geringes allergisches Potential haben und deren Verzehr für Apfelallergiker unbedenklich ist.

 

Grenzüberschreitende Forschung zu einer weit verbreiteten Krankheit

Das grenzüberschreitende Forschungsprojekt wird vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms Interreg V-A Italien-Österreich finanziert. Projektleiter ist Dr. Thomas Letschka, der am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich Angewandte Genomik und Molekularbiologie leitet. Projektpartner sind DDr. Klaus Eisendle, Primar der Abteilung Dermatologie am Krankenhaus Bozen sowie Dr. Martin Tollinger vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck und Dr. Norbert Reider von der Innsbrucker Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Rund 800.000 € umfasst das Gesamtbudget des Projekts, das für 30 Monate ausgelegt ist und im Januar 2017 begonnen hat.

Äpfel als Therapie gegen die Birkenpollenallergie

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Chemikern und Molekularbiologen im Projekt soll es mit einem interdisziplinären Ansatz gelingen, eine neuartige Immuntherapie gegen die Birkenpollenallergie zu entwickeln. Dabei machen sich die Forscher einen interessanten Umstand zu Nutze: Im Apfel gibt es Moleküle, welche mit jenen Eiweißen der Birke verwandt sind, die allergische Symptome auslösen, erklärt DDr. Klaus Eisendle, Primar der Abteilung Dermatologie am Krankenhaus Bozen: Die Ähnlichkeit der beiden Eiweiße könne nun einerseits bei Birkenpollenallergikern Kreuzreaktionen verursachen, wenn sie Äpfel essen. Dies äußert sich zum Beispiel in einem Juckreiz an den Lippen und in der Mundhöhle. Andererseits böte sich damit auch die Möglichkeit, Äpfel als therapeutisches Mittel für eine Birkenpollen-Hyposensibilisierung einzusetzen, meint der Experte.

Auf der Suche nach der richtigen Sorte und der richtigen Dosis

Im Rahmen des Projekts wollen die Wissenschaftler nun jene Apfelsorten identifizieren, die sich bei kontrolliertem Verzehr der richtigen Menge zur Therapie der Birkenpollenallergie eignen. Damit könnten Patienten in Zukunft durch den längerfristigen täglichen Verzehr der richtigen Apfelsorte ihre Birkenpollenallergie behandeln. Bisherige Hyposensibilisierungstherapien bestehen in der regelmäßigen Verabreichung kleiner Mengen an synthetischen Präparaten über mehrere Jahre, bei Betroffenen auch als „Allergieimpfung“ oder „Spritzenkur“ bekannt.

Unterstützung für Apfelallergiker

Die Ähnlichkeit der Birken- und Apfelallergene führt jedoch unter anderem auch dazu, dass viele Menschen auf Äpfel allergisch sind. Auch diese Allergiker könnten nun bald von den Ergebnissen des Projekts AppleCare profitieren: Die Forscher werden nämlich jene Apfelsorten ermitteln, die geringe Mengen an Allergenen enthalten und damit für Apfelallergiker unbedenklich sind.

Eine interregionale Allergie-Datenbank

Als weiteres Ergebnis des Projektes soll eine interregionale Allergie-Datenbank aufgebaut werden: Diese Datenbank wird die Daten von Allergiepatienten in Nord- und Südtirol erfassen und für zukünftige klinische Studien von großem Nutzen sein, betont Primar DDr. Klaus Eisendle vom Krankenhaus Bozen.

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg ist die führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, von Obst- und Weinbau bis hin zur Berglandwirtschaft. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.

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